Wenig Budget für Schriften – was tun?

Heutzutage sind wir am PC ständig mit Schriften konfrontiert. Die meisten von uns, ohne dass sie sich jemals näher mit Typografie oder der Herstellung von Computerschriften beschäftigt haben. Doch in Computerschriften steckt eine Menge Arbeit, sie sind Produkte, die verkauft und lizensiert werden. Man kann/darf also nicht einfach eine Schrift die man von irgendjemand bekommen hat verwenden, ohne deren Lizensierung zu beachten.

In der Praxis stellt sich für den Gestalter die Frage – wie komme ich zu geeigneten, hochwertigen und günstigen Schriften? Natürlich kann man Schriften einfach bei den Profis von Adobe, Linotype, Fonts.com, myfonts.com, ITC etc. kaufen – übrigens eine sehr gute Idee, wenn ausreichend Budget zur Verfügung steht, denn dort gibt es nur hochwertige Schriften.

Doch für Gelegenheits- und Hobbygestalter aber auch für beginnende Mediengestalter mit kleinem Budget sind kostengünstige Alternativen wichtig, die wir in diesem Artikel aufzeigen möchten.

Zunächst ein paar Worte zu den skalierbaren (also verlustfrei vergrößerbaren) Schriftformaten. Früher gab es nur sogenannte Postscript-Fonts (das waren Dateien mit den Endungen pfm und pfb), diese Dateien unterschieden sich für Mac und PC (Windows). Dann kamen unter Windows Truetype-Schriften (TTF) auf, welche es dann auch für den Mac gab – auch diese Schriftart unterscheidet sich für Mac und PC und die Schrift vom einen System kann nicht ohne Konvertierung auf dem anderen verwendet werden. Seit einigen Jahren etabliert sich das OpenType-Schriftformat (OTF), eine Modernisierung von Truetype, die nun die Verwendung einer Schriftdatei sowohl unter Windows (PC) als auch unter OS X (Mac) ermöglicht. Außerdem können (müssen aber nicht) OpenType-Schriften typografische Feinheiten beinhalten, welche zumindest im Truetype-Schrift nicht möglich waren.

Am besten also, man erhält gute OpenType-Schriften- oder man achtet bei Truetype oder Postscript-Schriften darauf, dass diese im richtigen Format (PC/Mac) vorliegen.

Quelle 1) Das Betriebssystem

Jedes moderne Betriebssystem bringt eine Menge an Schriften mit. Nicht nur das aktuelle Windows. Auch XP brachte eigene Schriften mit – und Windows 98 tat dies auch. Haben Sie die Schriften gesichert und geprüft ob Sie zu einer weiteren Verwendung berechtigt sind – auch wenn Sie das Betriebssystem mittlerweile nicht mehr einsetzen? Auch die verschiedenen Linux-Systeme und Mac OS X bringen Schriften mit. Was die Linux-Schriften angeht, muss man deshalb kein anderes OS installieren – es handelt sich um GPL lizensierte Schriften.

Praxistipp: Archivieren Sie die Schriften aber auch die Kaufbelege und dokumentieren Sie die Herkunft der Schriften, deren Nutzungsrecht Sie bereits zusammen mit anderer Software erworben haben. Vermutlich verlieren Sie das Nutzungsrecht an der Schrift nicht dadurch, dass Sie die „eigentliche“ Software nicht mehr einsetzen. Auch Schriften aus der PC-Frühzeit vor 15 oder 20 Jahren können heute noch eingesetzt werden. In der Praxis ist es allerdings meist nicht mehr möglich nach so vielen Jahren über die Herkunft der Schriften Auskunft zu geben.

Quelle 2) kostenfreie Quellen lizensierter Schriften – z.B. von Adobe, Microsoft

Adobe verteilt kostenfrei die Acrobat Reader genannte Software. Diese Software beinhaltet aber auch Schriften, nämlich die Myriad Pro, Minion Pro und Courier Std. im OpenType-Format. Da man diese Schriften ungefragt auf die Festplatte bekommt, stellt sich natürlich die Frage, ob man Einschränkungen bei deren Nutzung beachten muss. Ich bin kein Jurist und gebe an dieser Stelle keine Ratschläge. Vergleicht man die Situation allerdings mit der realen Welt, passt folgender Vergleich: Jemand wirft Dir als Werbegag einen 20 EUR Schein in Deinen Briefkasten. Du kaufst damit wo anders ein und nicht wie beabsichtigt beim Verteiler – kann sich dann der Verteiler beschweren?

Quelle 3) kostenfreie Quellen „freier“ Schriften – z.B. GPL-Schriften

Es gibt im Internet unzählige Quellen kostenfreier Schriften – Google ist Dein Freund! (An dieser Stelle ergänze ich demnächst eine Liste der wichtigsten Webseiten – Tipps per Kommentarfunktion werden von mir gerne aufgegriffen.)

Quelle 4) Schriften als Beigabe zu kostengünstiger und gebrauchter Software

Wer arbeitet heute noch mit Corel Draw in der Version 9.0? Kaum jemand, dementsprechend ist diese Software auch gebraucht kaum noch zu verkaufen. Wer sie dennoch findet, z.B. bei ebay, wird wohl nicht mehr als 1,- EUR dafür bezahlen müssen. Wir meinen dies ist ein Superpreis, bedenkt man, dass sogar schon Corel Draw 5.0 über Hunderte teilweise professioneller Schriften verfügte. Ähnliches gilt natürlich auch für die Grafikpakete von Adobe wie Illustrator oder die alten Freehandversionen. Auch diese Programme enthielten Schriften – im Unterschied zu Corel meist sogar die original lizensierten Schriften – allerdings in geringerem Umfang.

Nach meiner laienhaften Rechtseinschätzung erwerben Sie auch dann  ein Nutzungsrecht wenn Sie Originalsoftware gebraucht kaufen, und dieses Nutzungsrecht umfasst vermutlich auch die Nutzung der Schriften. Aber der Vollständigkeit halber der Hinweis: Ich bin kein Jurist und übernehme keine Gewähr für die Richtigkeit meiner laienhaften Rechtseinschätzung.

Vorteile:

  • Supergünstig
  • umfangreiche Schriftsammlung (bei Corel Draw)
  • hochwertige Originalschriften günstig (z.B. bei Freehand oder Illustrator)

Nachteile:

  • Nur wenige Schriften liegen in zahlreichen Schriftschnitten vor, viele Schriften gibt es nur in normal, fett, kursiv und fett kursiv – aber ohne extended, expanded, light etc. (bei Corel Draw)
  • Wenn es sich nicht um Originalschriften handelt, werden auch nicht die geschützten Originalnamen verwendet. So mag z.B. eine Humanist777 der Frutiger sehr ähnlich sein – es ist aber keine Frutiger.(bei Corel Draw)
  • „alte“ Schriften ohne €-Symbol

Quelle 4) Schriften von Schriftwebseiten

Es gibt viele Internetseiten, die Schriften zum kostenlosen und kostengünstigen Download bereit stellen, z.B.

(Diese Liste wird demnächst noch ergänzt und erweitert. Tipps per Kommentarfunktion werden von mir gerne aufgegriffen.)

2 Antworten auf „Wenig Budget für Schriften – was tun?“

  1. Wenn ich in einem Redaktionssystem arbeite, muß ich dann eine ot-Schrift mit z.B. 100 Lizenzen erwerben? Oder reicht dann auch eine Lizenz?
    Gruß – Vera Göring

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